Unsere Blaue Reise mit Mein Schiff 1

(FK.3) Eins vorweg: dieser Bericht ist ein rein persönlicher Bericht und die subjektive Einschätzung von mir. Es geht nicht darum, die eine Reederei besser oder schlechter zu stellen. Natürlich versuche ich unter Berücksichtigung meiner/unser eigenen Erfahrungen einen Vergleich für mich zu ermöglichen. Los geht - oder besser - einschiffen smile

Wir wollten bereits im März unsere Silberhochzeitsreise mit einer Mein Schiff Kreuzfahrt feiern. Geplant war eine 11 tägige Kreuzfahrt von Mallorca auf die Kanaren und zurück. Durch gesundheitliche Einschränkungen haben wir diese Reise Anfang Februar stornieren müssen, später haben wir gesehen, das die Reise auch eine der ersten durch die Coronapandemie ausgefallenen Reisen wurde.

Als zum Sommer die ersten zaghaften Versuche anliefen, haben wir über unseren "Hauslieferanten" AIDA Cruises eine 10 tägige Norwegen Kreuzfahrt gebucht. Leider konnte die erste im September geplante Reise nicht stattfinden und wurde auf Anfang Oktober umgebucht. Auch diese Tour konnte nicht stattfinden. Da wir uns aber eine Auszeit nach sehr turbulenten 12 Monaten nehmen wollten, haben wir uns nach der Stornierung der Oktoberreise durch AIDA Cruises für eine sogenannte Blaue Reise mit Mein Schiff Anfang Oktober entschieden.

Buchung

Da wir meistens wissen, was wir wollen, haben wir unserem Reisebüro unseres Vertrauens unsere Wünsche mitgeteilt. Zeitraum, Schiff, Reise, Kabine.

Das ist bei uns eigentlich einfach. In der Regel suchen wir uns bereits im Vorfeld eine Kabine und das jeweilige Buchungspaket aus und lassen die Buchung durch unser Reiseburü durchführen. Wir haben uns für eine SPA-Kabine entschieden: kurze Wege in den SPA-Bereich und einige weitere kleinere Annehmlichkeiten. Online haben wir uns die Kabine 11011 herausgepickt. Diese und benachbarte Kabinen waren Online als buchbar ausgewiesen. Im Online Buchungsprozess konnten wir unsere erkorene 11011 - eine schöne Zahlenkombination - nicht übernehmen. Unserem Reisebüro ist das auch mit Rücksprache bei Mein Schiff nicht gelungen. Es blieb uns dann nur die Wahl der Kabine davor oder danach. Diese Begrenzung ist wohl dem Gesundheitskonzept geschuldet. Wir haben uns dann für die 11-James Bond entschieden.

Anreise und Check-in

Die Wahl des Anreisemediums war für uns relativ einfach. Wir können die Züge budgetiert gratis nutzen und in Kiel sind die Wege in Regel vom Bahnhof zum Schiff kurz. Also ging es mit Shuttleservice nach Mannheim und von dort mit unserer Bahn mit einer Direktverbindung nach Kiel. Wir haben uns Platzkarten geleistet und die Anreise war unspektakulär. Gefühlt schwierig schätzten wir die Info von Mein Schiff die Information über die Check-in Zeitfenster ein. Durch die Auswahl der direkten Verbindung von Mannheim nach Kiel ohne umsteigen waren wir bereits dreiviertel Eins in Kiel, die erst kurz vor Reisebeginn wählbare frühest mögliche Check-in Zeit war 15 Uhr. Da hatten wir keine bessere Wahl mehr.

Da unsere Zug fast auf die Minute pünktlich war, waren wir sehr früh dran. Von den angekündigten kostenlosen Shuttlebusen Bahnhof-Terminal war weit und breit nix zu sehen. Aber wir waren da nicht allein und schlossen uns einer kleinen Karawane gen Terminal an und erreichten dieses nach ca. 15 Minuten.

Für uns positiv überraschend konnten wir sofort unsere Koffer aufgeben und wurden eine Halle weiter geleitet. Dort gab es eine Temperaturmessung und dann ging es in den Wartebereich zum eigentlichen Check-in. Zum entsetzen meiner Fee führte meine Frage an die Dame zum Splitten "Balkonkabine" - "Suiten", an welche wir uns mit meinen (nicht gezeigten) Schwerinordnungausweis stellen dürfen, zu Konfusion. Am Ende standen wir 13:45 Uhr an der kurzen Suitenschlange. Bis gegen 14:30 Uhr. Problematisch war dieser Zeitraum für einige Reisende das in dieser Halle schlicht nicht vorhandene WC. Im Bedarfsfall musste die Halle komplett verlassen werden. Wohin konnte niemand sagen. Warum hier eine WC-lose Halle im Terminal gewählt wurde, wissen wohl nur die Controller. Es gab durchaus nutzbare Hallen mit eben dem WC-Bereich. Leider ein Minuspunkt, auch wenn es uns dieses mal nicht betraf.

Das eigentliche Check-in verlief dann zügig. Foto und Vergleich der Ausweise, Sicherheitskontrolle und schwupps - wir waren drin laughing. 15 Uhr standen wir vor unsere Kabinentür, dort waren im verschlossenen Briefumschlag unsere Bordkarten hinterlegt. Die Kabine haben wir in erwartungsgemäßen Zustand vorgefunden und haben uns für unser Check-in-Checked-Procedere fertig gemacht.

An Bord

Unser Check-in-Procedere ist unser eigentliches Urlaubs-Beginn-Ritual: Pina Colada für Beide. Zum Wohl mit einem kleinen Häppchen in der Außenalster Bar.

Anschließend haben wir das Schiff erkundet, was sich für uns als leicht Erfahrende als relativ einfach erwies.

Da es sich um eine bereits erwähnte Blaue Reise - eine Panoramafahrt durch die Stockholmer Schären nach Stockholm mit ausschließlich technischem Stopp und Weiterfahrt nach Turku durch die finnischen Schären ohne jegliche Landausflüge handelte, erwarteten wir eine sehr relaxte Reise einfach zum runterkommen, ausruhen und Wellness.

Die Reise selbst war relativ normal. Das Ablegen wurden Mein Schiff like zelebriert: sehr schönes 3-maliges Hupen vor dem Ablegen und anschließend die musikalische Begleitung durch die "Große Freiheit". Nach zwei Tagen erreichten wir wie geplant die Stockholmer Schären. Durch relativ starken Wind durften wir jedoch nicht in die Schären einfahren und verbrachten die Nacht zum Montag auf der offenen See. Diese Warteschleife war gut angelegt: der Montag empfing uns mit Bilderbuchwetter.

Der uns bereits "bekannte" Weg durch die Schären nach Stockholm waren wunderschöne 5 Stunden, bis wir am Kai für den technischen Stopp fest machten. Da uns die Mein Schiff 2 im 10 Meilen Abstand folgte, ergab sich alsbald ein kleines Flottentreffen im Stockholmer Hafen. Für Schiffsfans ein schönes Erlebnis. Nach einer guten Stunde am Kai legten wir wieder ab und machten der Mein Schiff 2 platz frei. Die Fahrt Richtung Ostsee war wieder sehr schön. Kurz nach Erreichen der offenen See sind wir in einen Nebel eingefahren, welcher uns bis zum kommenden Morgen mit regelmäßigen Nebelhorn begleiten sollte.

Nach einem weiteren Seetag mit "Schneiden" der finnischen Schären sind wir in die finnischen Schären eingefahren und erreichten Turku gegen 13 Uhr. Turku ist die Geburtsstadt der Mein Schiff 1 und 2. Da wir uns nur bis auf eine Meile der Werft nähern durften, konnten wir die beiden dort im Bau befindlichen Kreuzfahrtschiffe eben nur aus der Ferne sehen. Nach einem sehr langsamem Wenden ging es den selben Weg wieder gen offene See.

Nach einem weiteren Seetag haben wir am Freitagmorgen wieder Kiel erreicht.

Bordleben / SPA / Genuss

Da wir lediglich 700 Passagiere von den theoretisch möglichen 60 % von ca. 2800 Pax an Bord waren, war es überall sehr entspannt.

Es wurden diverse Veranstaltungen angeboten, so das es im Prinzip für niemanden Langeweile gegeben haben dürfte.

SPA

Durch das Hygienekonzept durften sich max. 10 Personen im gesamten Saunabereich (Bio- und finnsiche Sauna) aufhalten. Dafür waren ab 9 Uhr 90 Minuten Zeitfenster mit einer anschließenden Reinigungspause von 30 Minuten geplant. Die Buchung dafür war jeweils ab 18 Uhr für den folgenden Tag möglich. Das führte zu Knappheit oder einfacher: hohe Nachfrage. Wir haben für uns lediglich zwei Slots erwischt. Einen Slot konnten wir während der Einfahrt gen Turku nutzen - die finnische Sauna befindet sich auf Deck 12 frontseitig und der Ruhebereich auf unserem Deck 11 mit dem Openairbereich direkt über der Brücken inkl. der Nocken - das war so schon Klasse.

In unserem SPA-Paket waren einige Wellnessanwendungen enthalten. Diese und weitere Massagen konnten wir buchen - aber teilweise nicht parallel. Das war vermutlich der personellen Situation im SPA-Bereich geschuldet. Hier hat Mein Schiff+ aus unserer Sicht daneben gelegen. Der SPA-Bereich hätte gerade bei dieser Blauen Reise mit ausschließlichen Seetagen personell voll aufgestellt sein müssen. Minuspunkt 2.

Genuss

Gefrühstückt haben wir meistens im Buffetrestaurant Ankelmannsplatz und einmal im Esszimmer. Wir fanden beide Restaurants gut bis sehr gut.

Mittags und Abends waren wir eigentlich überall mal essen. Die Auswahl am Buffet war gut bis sehr gut. In den (momentanen Bedien-) Buffetrestaurants waren wir vom Atlantik und Fischmarkt überzeugt. Im Cucimare und Wohnzimmer waren die Vorspeisen dermaßen groß, das man eigentlich vor dem Hauptgericht satt war. Wir haben das bei einer Sushiverkostunmg plazieren können - es seien Vorgaben und die meisten Pax möchten das so. ??? Hier sollte Mein Schiff mal richtig zuhören. Minuspunkt 3.

Wir probieren grundsätzlich Rindersteaks aus. Hier folgten Minuspunkte 4 und 5. Wir hatten bei Rindersteaks kein Steak ohne starke Sehnen oder mit sehr hohem Fettanteil. Das so zu essen, war kein Genuss. Am letzten Abend haben wir uns im Surf und Turf Restaurant Bison und Wagyü gegönnt. Nun ja, das medium gewünschte Bisonsteak meiner Fee war kurz vor welldown und mein medium rear war über medium. Ich habe meins zurück gehen lassen. Schade um das Fleisch. Den zweiten Versuch kann man als gelungen bezeichnen. Ursächlich war wohl die Dünne des Wagyüsteaks. Mit ca. 12 mm macht sich auch der beste Koch zum  Ei... Apropos zurückgehen: wir Beide haben auch an einem Mittag ein Rinder-Carpaccio zurück gehen lassen. Das waren eher Rostbeef, aber kein Carpaccio. Auch hier: schade ums Fleisch. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir etwas zurück gehen ließen.

Was uns in den exklusiveren Restaurants  (Surf und Turf / Esszimmer / Cucimare) noch auffiel: es hat vom Service irgendwie jeder alles gemacht. So kam es immer wieder zu Situationen, in denen eigentlich schon alles klar war. Bei AIDA Cruises gibt es eine wesentlich klarer Aufgabenteilung und damit wesentlich weniger Unklarheiten für beide Seiten.

Sehr gut hat uns das Ganz schön Gesund Bistro gefallen. Leider war dieses Bistro nur über die Mittagszeit und nicht zu den anderen Mahlzeiten geöffnet. Das tat aber dem Essen keinen Abbruch - es hat uns dort zu 2 Mittagessen sehr gut geschmeckt.

Bordleben

Das Unterhaltungsprogramm fanden wir ganz in Ordnung. Einzige Fauxpas war für uns Lilo Wanders und Erasmus Stein.

Lilo Wanders wirkte bei Ihrem ersten Auftritt sehr unstrukturiert und der zweite lief auf eine Art Lebenslauf hinaus und was Sie so von Ihren Kollegen hielt. Mhhh, Beigeschmack. Erasmus Stein wollte als lustiger Zauberer rüberkommen. Wahrscheinlich sind wir dafür noch zu jung oder nicht mehr jung genug. Hier gilt: kann man machen, muss ...

Sehr löblich war die Übertragung der Veranstaltungen aus dem Theater oder der Schaubühne im Bord-TV. Durch die Hygieneregeln gab es nur begrenzte Sitzplätze und mit der Übertragung im Bord-TV konnten auch die Passagiere mitschauen, die sich keine Plätze mehr buchen konnten. Das Bord-TV arbeitet übrigens mit starren Kameraeinstellungen. Die von AIDA Cruises gewohnte Dynamik fehlte vollständig - wobei wir nicht wissen, ob es den Hygieneregeln geschuldet oder immer so dürftig ist.

Schiff

Die Mein Schiff 1 (und auch die parallel fahrende 2) sind aus unserer Sicht Sommerschiffe und wir fanden diese auf unserer Tour ungeeignet.

Für uns sehr negativ war die fehlende Möglichkeit, das Panorama von der Front aus zu genießen. In den unteren frontalen Bereichen befinden sich Kabinen, dann folgten die zwei SPA-Etagen und die Decks darüber waren exklusiv den Suiten vorbehalten. Zweiklassengesellschaft. Minuspunkt 6.

Für unseren Teil haben wir den begehbaren Bereich über die gesamte Front in exponierten Lagen sehr vermisst. Das ist DIE Location für die Auslaufrituale und Panoramablicke. Diese Location fehlt hier komplett wie auch teilweise bei unseren mittlerweile liebgewonnen AIDA Prima & Perla. Bei AIDA Cruises wurde ja mit AIDA Nova dieser für alle erreichbare Bereich wieder fortgeführt. Ich steh zu meiner Meinung: für mich gehört der obere offene Frontbereich für alle dazu - ich habe dort auf unserer ersten Kreuzfahrt mit der schönen Lady AIDAmar den Kreuzfahrtvirus bekommen. Ohne diese Location wäre ich wohl nicht wieder gefahren. Da nützen aus meiner Sicht auch die vielen Außenkabinen wenig.

Die Bugspitze über Deck 5 ist der einzige für alle Passagiere erreichbare Bereich im Frontend. Durch die niedrige Lage auf dem Schiff in Verbindung mit einer hohen Reeling ergaben sich dort nur für sehr große Personen die Möglichkeit, bedingt Fotos vom Panorama zu machen. Sitzmöglichkeiten gab es keine.

Im Heck gab es lediglich die Hohe Luft Bar und einen Bereich auf Deck 12 vergleichbar der Lanaibar auf AIDA Prima/Perla/Nova. Der Zugang zur diesem Freibereich auf Deck 12 war jedoch vom Deck 14 abgesperrt und über Deck 12 nur über den Fischmarkt erreichbar, also im Prinzip geschlossen und eh nicht bewirtschaftet. Schade. Minuspunkt 7.

Sehr positiv vielen die schnellen Aufzüge und die schnelle Verfügbarkeit auf. Zusätzlich war optisch erkennbar, welcher Aufzug kam. Pluspunkt 1. Bei den uns bekannten AIDA Aufzügen dagegen war nicht erkennbar, welcher Aufzug kommt und wen man Pech hat, ist der schneller weg, als man laufen kann. Vor den Aufzügen hing ein Deckplan , dafür leider in den Aufzügen überhaupt nichts. Hier wäre die Mischung perfekt - außen wie bei Mein Schiff die Decksübersicht und im Aufzug wie bei AIDA neben den Tasten die wichtigsten Veranstaltungsorte.

Crew

Der Mannschaft möchten wir ein großes Lob zollen. Stets freundlich, zuvorkommend, service- und lösungsorientiert. Einfach toll.

Die Informationen von der Brücke war gut verständlich und unterhaltsam - uns haben sie für die Kenner etwas liebevoll an AIDA Cruises  "Massimo von der Brücke" erinnert.

Check-out / Heimreise

Das Verlassen des Schiffes war problemlos, Busse standen bereit und so ging es rasch zum Hbf. Die Bahnfahrt führte uns via Hamburg und Frankfurt zu uns an die Bergstraße. Die Last Mile übernahm wieder einer unserer beiden Söhne.

Zusammenfassung

Für uns war es eine wie erwartet sehr entspannte und kurzweilige, andere Kreuzfahrt. Wir haben für unsere geplante Transreise 2021 üben können wink

Mit dem Schiff kann man sich arrangieren. Innen ist alles vorhanden, uns fehlen jedoch die Openairs vorne und hinten. Das Bedienkonzept in den eigentlichen Buffetrestaurants könnte so auf Dauer beibehalten werden. Wir haben das auch schon anderenorts erlebt und als sehr angenehm und wesentlich hygienischer empfunden als das individuelle Herumgestochere in den Speisen.

Die Massagen und beide Saunaaktionen waren super. Die Bars und die Mahlzeiten waren erwartungsgemäß. Verpflegung können Sie - mit Ausnahme Rindfleisch.

Wiederholungswahrscheinlichkeit: nur als Schnäppchen oder/und Suite.